Tradition erleben

05.04.2018 – 23.09.2018

150 Jahre Jubiläum Königlicher Kurgarten

Eigentlich befand sich der erste Kurgarten im Park des Hotel Achselmannstein. 1848 entstanden, war er alsbald Treffpunkt aller Sommerfrischler und Kurgäste im Ort. Doch schon damals flanierten die edlen Damen und Herren gerne zu den Salinen-Wiesen mit den riesigen Gradierwerken.

Kein Wunder also, dass die Stadt auf der Suche nach einem Areal diesen Bereich von der Saline pachtete. Die Gradierwerke wurden zur Salzproduktion aufgrund moderner Verfahren ja nicht mehr benötigt. Die Industriebauten wurde bis auf ein Gradierwerk abgerissen.

Beste Voraussetzungen für die Nutzung als Parkgelände.

Carl von Effner, nach dessen Plänen der Kurgarten zunächst verwirklicht wurde, gestaltete Gartenanlagen für bayerische Könige und wurde 1877 für seine Verdienste in den Adelsstand erhoben. Ein von ihm geplanter Park war ganz im Trend der Zeit und entsprach dem Geschmack der gehobenen Gesellschaft aus aller Welt. Die Damen und Herren der High Society trafen sich am Gradierwerk und spielten Crocket und Rasentennis zwischen den Lorbeerbäumen und Bananenstauden. Könige und Prinzen waren unter den Kurgästen, nahmen in der damaligen Trinkhalle ein wohltuendes Molke-Getränk ein und genossen die musikalische Untermalung des Orchesters im Musikpavillon.

Der Wandel der Zeit

Der Königliche Kurgarten hat mehrere grundlegende Überarbeitungen erfahren. Als 1900 das prunkvolle Königliche Kurhaus erbaut wurde, wollte passte das alte Gradierwerk nicht mehr zum stilvollen Erscheinungsbild des neuen Gebäudes. So entschloss man sich, ein neues, eleganteres Gradierhaus mit Wandelgängen im Kurgarten zu errichten. Das Gradierhaus von 1910 steht heute noch und ist imposanter Anziehungspunkt für alle Erholungssuchenden in Bad Reichenhall.

In den Jahren des 1. Weltkrieges war die Not groß – deshalb konnte man damals im Kurgarten neben Zierpflanzen auch das eine oder andere zweckmäßige Gemüsebeet entdecken.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Blickachsen an das neue Gradierhaus und die Wandelhalle angepasst, um die Symmetrie des Gartens wieder herzustellen. Sogar ein neuer Brunnen wurde vom Obersalzberg in den Königlichen Kurgarten transportiert – der Atlas-Solebrunnen von Bildhauer Josef Wackerle ist seitdem das sprudelnde Herz der Parkanlage.

 

Die altehrwürdigen Buchen von 1868 könnten sicher viel über die bewegte Geschichte des Königlichen Kurgartens erzählen, ebenso wie die Bauten von 1900 bis 1914, die den Park harmonisch einrahmen. Diese stummen Zeitzeugen  begleiten Besucher bei ihrem Spaziergang durch den Kurgarten, der sich immer wieder perfekt an die sich veränderten Bedürfnisse seiner Gäste anpasst und doch nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren hat.

 

Bad Reichenhaller Philharmoniker

Mit  der „Badmusik“  unter der Leitung von Stadttürmer Konrad Landrichinger begann die musikalische Entwicklung des Kurortes. Schon bald genügten das beschränkte Repertoire und die Qualität den Ansprüchen des gehobenen Publikums nicht mehr. Immer öfter wurde Kritik an der im Vergleich zu anderen mondänen Kurorten bescheidenen Unterhaltung laut. 

Die Bad Reichenhaller Badkommissäre  mußten somit für  eine niveauvollere Kurmusik  sorgen und engagierten letztendlich 1868 den berühmten deutsch-ungarischen  Kapellmeister und Walzerkomponisten  Josef Gung´l , der damals in einem Atemzug mit Johann Strauß und Joseph Lanner genannt wurde.

Gung´l seinerseits bestand selbstbewusst auf ein aus 18 Profimusikern bestehendes Ensemble  mit  10 Bläsern, 7 Streichern und einem Paukenschläger – das Badkommissariat fügte sich und genehmigte die Gründung des neuen Orchesters. Nach zwei Jahren übernahm Karl Hünn den Posten als Kapellmeister, Josef Gung´l wollte die von einem neuen Badkommissär gestellten Bedingungen nicht annehmen, dies führte zu Auflösung seines  Vertrags.

Glanzzeit unter Gustav Paepke

Wurden auch schon vor dieser Zeit sinfonische Werke neben der gängigen Kurmusik, bestehnd aus Walzern, Märschen, Tänzen, Opern-und Operettenbearbeitungen gespielt, so wandelte sich nun unter dem  „Königlich Bayerischen Musikdirektor“ Gustav Paepke (1879 bis 1921) der Klangkörper vollends zum hochgelobten  Sinfonieorchester. Paepke wirkte auch als Komponist  von Kurmusik und sinfonischen Werken. 1911 entstand  als Hommage an die Kurstadt der Marsch „Hoch Reichenhall“, der auch heute noch zum festen Repertoire der Philharmonie gehört.

Nach dem 1. Weltkrieg und dem Tod von Gustav Paepke spielte das externe „Pfalzorchester“ während der Sommersaison für die Gäste. Kapellmeister Florenz Werner leitete noch bis 1944 das musikalische Geschehen, danach erlosch das kulturelle Leben in Deutschland.

 

Doch schon sechs Wochen nach Kriegsende wurde in Bad Reichenhall wieder Kurmusik gespielt! 

Die Einwohner strömten nur so in das Konzert und erlebten ein abenteuerliches Orchester, zusammengewürfelt aus Musikern des Pfalzorchesters, Flüchtlingen anderer Kurkapellen, Militär-, Kaffeehaus- und sogar Zirkusmusikern. Der Violinist Hans Resch hatte von den Amerikanern die Lizenz zur Gründung eines Orchesters erhalten und diese bunte „Konzertgemeinschaft“ war das Resultat. Als Leiter der Konzertdirektion Resch holte er die bekanntesten Sänger und Instrumentalsolisten nach Bad Reichenhall und ermöglichte ihnen im Nachkriegsdeutschland attraktive Auftrittsmöglichkeiten. Das Orchester tingelte zudem durch kleinere Städte und Orte, um sich über Wasser halten zu können.

Dr. Wilhelm Barth – Der „Maestro“ der Bad Reichenhaller Kurmusik

Von Dezember 1947 bis 2004 (unterbrochen von 1957 bis 1962) war Dr. Barth Leiter des Bad Reichenhaller „Philharmonischen Orchesters“, 1948 gründete er zudem einen aus 100 Mitgliedern bestehenden „Philharmonischen Chor“. Konzerte unter der Leitung von Dr. Barth waren gesellschaftliche Ereignisse, auf die mit großer Vorfreude und Spannung gewartet wurde.  Die Philharmonie trug einen wesentlichen Teil zum Wiedererstarken des Kurwesens bei. Das Orchester wandelte sich zu einem vom Staat gefördertes, finanziell abgesichertes Ensemble, das bis heute noch neben reiner Kurmusik auch sinfonische Werke aufführt: „Mein Orchester war zum einzigen ganzjährig spielenden Kurorchester der Welt geworden“, schrieb Barth nicht ohne Stolz in seinen Erinnerungen. Er stellte auch den Heilfaktor der Kurmusik heraus, war von der therapeutischen Wirkung dieses Genres überzeugt: „Wo und wann ist der Mensch aufgeschlossener und empfänglicher als in einer von der Natur gesegneten Umwelt, die ihn dem Alltag entreißt und ihm die Möglichkeit gibt, die Musik in vollen Zügen zu genießen?“

So ging es weiter:

Nachfolger von Dr. Wilhelm Barth sind Christian Simonis (1985 bis 1990), in dessen Amtszeit die Einweihung des Bad Reichenhaller Theaters fällt, und Klaus-Dieter Demmler (1990 bis 2003). Beide treiben intensiv die Profilierung der Bad Reichenhaller Philharmonie als Kulturorchester der Region voran und sorgten zugleich mit viel Herzblut für die Bewahrung und Entwicklung der Tradition der Kurmusik. Von 2003-2012 wirkte Thomas J. Mandl als Chefdirigent und künstlerischer Leiter. Seiner Kreativität zu verdanken war unter anderem die Einbettung konzertanter Opern und Operetten in die Musiktage. Bis 2015 leitet Professor Christoph Adt die Geschicke der Philharmonie. Der mehrfache Preisträger internationaler Wettbewerbe und ist Präsident der Hochschule für Musik in Nürnberg. Die behutsame Einbindung zeitgenössischer Musik, die Pflege und Entwicklung der Kurkonzerte eine Belebung der Unterhaltungskonzerte setzten die Eckpunkte seiner Arbeit in Bad Reichenhall.

Christian Simonis!

Seit Juli 2015 leitet wieder „unser“ charmanter Wiener Christian Simonis als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter der Bad Reichenhaller Philharmoniker, deren Konzerte nach wie vor wahre Publikumsmagnete in der Alpenstadt sind.  Mit zahlreichen CD-Einspielungen hat sich Simonis einen Namen für die Sparte der heiteren Muse der Märsche, Walzer, Polkas und Tänze gemacht. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, durch stilsichere und differenzierte Interpretation eine besonders charmante Ausstrahlung und Wirkung der Werke zu erzielen und die Atmosphäre und das der Musik innewohnende Lebensgefühl erlebbar zu machen.

"Die Bad Reichenhaller Philharmoniker spielen in der Tradition der Kurorchester mit dem Klangkörper eines Symphonieorchesters von Bedeutung und ermöglichen ihren Besuchern ein besonderes Klangerlebnis. Stilsicher werden die Zuhörer von den Musikern von der Klassik, über die goldene und silberne Ära der Operette bis hin zum Musical und zum Schlager durch die Konzerte begleitet. Die musikalische Vielfalt und Qualität bewirkt für Geist, Seele und Körper sowohl eine Anregung als auch eine Entspannung." – Christian Simonis.

MEHR

Ansprechpartner

Berchtesgadener Land Tourismus GmbH | Geschäftsstelle Bad Reichenhall
Wittelsbacher Str. 15
83435 Bad Reichenhall

Weitere
Veranstaltungen