© gwt Starnberg GmbH, Thomas Marufke

6 Kulturhighlights entlang der Kunstschleife 

Radln

Was haben eine Papierfabrik, eine Geige und eine Rokokokirche gemeinsam? Sie alle liegen an der Kunstschleife der Wasser-Radlwege und zeigen, wie vielseitig Kultur in Oberbayern sein kann. Mal steckt sie im Handwerk, mal hängt sie an der Museumswand und manchmal steht sie ziemlich prachtvoll mitten auf der Wiese.  

Drei Schleifen, mehr als 1.200 Kilometer und ziemlich viel Wasser: Die Wasser-Radlwege verbinden Flüsse und Seen in ganz Oberbayern mit drei Themen, die untrennbar zur Region gehören: Salz, Hopfen und Kunst.  

Die Kunstschleife führt auf rund 340 Kilometern durch den Südwesten Oberbayerns, zwischen München und Garmisch-Partenkirchen, vorbei an Seen, Flüssen und jeder Menge Kultur.  

6 Stopps, für die es sich lohnt, vom Rad zu steigen: 

1. Papier mit Charakter: Gmund am Tegernsee 

Papier anfassen ausdrücklich erwünscht! In Gmund zeigt sich, dass ein vermeintliches Alltagsmaterial ziemlich viel Charakter haben kann. Seit 1829 wird in der Papierfabrik GMUND im Mangfalltal Papier hergestellt. Heute entstehen hier hochwertige Designpapiere in unterschiedlichsten Farben, Strukturen und aus verschiedenen Pflanzenfasern. Und weil die Mangfall direkt am Firmengelände vorbeifließt und Energie für die Papiermaschinen liefert, passt dieser Stopp besonders gut zu den Wasser-Radlwegen. 

Wer wissen möchte, wie Papier entsteht, kann bei einer Fabrikbesichtigung hinter die Kulissen schauen. Dabei geht es mitten hinein in die Produktion und unter anderem um die Frage, wie aus Hanf Papier werden kann. Anschließend lohnt sich definitiv ein Abstecher in den Papiershop: “gefährlich” für alle, die schöne Notizbücher, besondere Karten und feine Papeterie lieben. 

2. Wo Holz Musik macht: Geigenbaumuseum Mittenwald 

Ein Stück Holz, vier Saiten und sehr viel Können dazwischen. Mittenwald blickt auf mehr als 300 Jahre Geigenbaugeschichte zurück. Im Geigenbaumuseum lässt sich entdecken, wie eng dieses Handwerk bis heute mit dem Ort verbunden ist. Das Museum wurde 1930 gegründet und befindet sich in einem der ältesten Häuser Mittenwalds. 

Dabei geht es um weit mehr als wertvolle Instrumente in Vitrinen. Die Ausstellung erzählt von der Geschichte des Mittenwalder Geigenbaus und davon, wie eine Geige entsteht. Der Bogen reicht von historischen Instrumenten bis zum Geigenbau der Gegenwart. Ein Kulturstopp, bei dem Sie garantiert mit anderen Augen auf Instrumente schauen – und danach vielleicht auch genauer hinhören. 

Übrigens lassen sich in Mittenwald auch außerhalb des Museums einige „klangvolle Adressen“ finden. Zum Beispiel die von Geigenbau Leonhardt, wo wir Julia Klotz in der Familienwerkstatt besucht haben:

3. Royale Spuren am Starnberger See 

Der Starnberger See kann Postkartenidylle. Er kann aber auch große Geschichten. Besonders eng verbunden ist die Region mit zwei der berühmtesten Wittelsbacher: Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sisi, und ihrem Großcousin König Ludwig II. Schloss Possenhofen, die Roseninsel und die Votivkapelle in Berg erzählen bis heute von den beiden und machen aus Ihrer Radtour eine Reise ins 19. Jahrhundert. 

Sisi verbrachte als Kind die Sommermonate mit ihrer Familie in Schloss Possenhofen und blieb dem Starnberger See ein Leben lang verbunden. Auf der Roseninsel traf sie Ludwig, ihre Begegnungen dort sind historisch belegt. Wer tiefer einsteigen möchte, kann den royalen Spuren bei Themenführungen und Audiospaziergängen folgen. Und wer lieber einfach am Wasser sitzt und hinüberschaut? Darf sich zumindest für einen Moment vorstellen, wie es hier wohl aussah, als die beiden noch selbst am See unterwegs waren. 

4. Ein Treffpunkt der Kunstwelt: Dachau 

Hier sollten sie vor allem auf das Licht achten. Denn genau das spielte eine entscheidende Rolle dabei, dass es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Kunstschaffende nach Dachau zog. Zusammen mit der besonderen Landschaft des Dachauer Mooses und der Nähe zu München machte es die Stadt zu einer der bedeutendsten Künstlerkolonien Europas. Adolf Hölzel, Ludwig Dill und Arthur Langhammer ließen sich hier nieder; auch Künstler wie Carl Spitzweg und Lovis Corinth kamen immer wieder nach Dachau. 

In der Gemäldegalerie lässt sich das heute nachvollziehen: Rund 200 Bilder und einige ausgewählte Skulpturen dokumentieren die Entstehung und Entwicklung der Landschaftsmalerei. Besonders schön an diesem Stopp: Wer anschließend wieder aufs Rad steigt, hat eine der wichtigsten Inspirationsquellen direkt vor sich. Das Dachauer Moos ist schließlich noch da – nur die Staffelei müssten Sie selbst mitbringen. 

5. Farbe, Form und Blauer Reiter: Franz Marc Museum in Kochel am See 

Am Kochelsee bekommt die Kunstschleife ordentlich Farbe. Das Franz Marc Museum widmet sich dem Blauen Reiter und der Kunst der Moderne. Der Blick auf die Werke verbindet sich dabei mit kreativem Ausprobieren: Zu ausgewählten Terminen öffnet das Atelierhaus BlauRaum sein „Offenes Atelier“. Kinder und Erwachsene können hier vor oder nach dem Museumsbesuch selbst gestalten und experimentieren.  

Vielleicht also besser ein bisschen Zeit extra einplanen – die nächste Etappe der Kunstschleife läuft schließlich nicht davon … 

6. Einmal himmelwärts schauen: die Wieskirche 

© oberbayern, Christoph Jorda

Von außen fügt sie sich beinahe bescheiden in die Landschaft ein. Drinnen ist mit Zurückhaltung Schluss. Die Wieskirche bei Steingaden gehört zu den berühmtesten Rokokokirchen der Welt und zum UNESCO-Welterbe. Von 1745 bis 1754 schuf Dominikus Zimmermann hier ein außergewöhnliches Gotteshaus; sein Bruder Johann Baptist Zimmermann wirkte als Freskomaler und Stukkator mit. 

Am Anfang ihrer Geschichte stand übrigens eine kleine Holzfigur: Am 14. Juni 1738 beobachtete die Bäuerin Maria Lory Tränen in den Augen einer Figur des Gegeißelten Heilands. Die Nachricht vom sogenannten Tränenwunder verbreitete sich und wurde zum Ausgangspunkt der Wallfahrt auf die Wies. Wenige Jahre später begann der Bau der heutigen Kirche.  

Drinnen lohnt sich der Blick nach oben ganz besonders: Fresken, Stuck und die ganze Leichtigkeit des Rokoko lassen den Raum beinahe schwerelos wirken. Ein ziemlich himmlischer Höhepunkt Ihrer Tour!

Kultur erfahren – im wörtlichen Sinn 

6 Stopps, 6 völlig unterschiedliche Orte: Die Kunstschleife zeigt, wie viele Facetten Kultur in Oberbayern haben kann und bietet beim Unterwegssein genügend Kilometer, um den frisch inspirierten Kopf wieder frei zu radeln. 

Noch mehr Radlglück gefällig? Unsere Wasser-Radlwege bieten erfrischende Touren für jeden Geschmack.

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